Lesung mit Martin Haidinger und Robert Kolar
Kaiser Joseph II, der fortschrittsgläubige Monarch, lässt sich von einem Dampfross in seinem Salonwagen durch die Alpen kutschieren und macht in einer winzigen Bahnstation, und zwar in Wuzelwang am Wuzel", Pause. Dabei verliebt er sich, vom Bergvolk unerkannt, in die Tochter des Bahnwärters, Innocentia Nozerl" Zwölfaxinger. Als Nozerls Vater gerade mit den anderen Bahnbediensteten vom Wildern in seines Herrn Wäldern zurückkehrt, kommt ein Zug mit mehr oder weniger feiner Hofgesellschaft angefahren. Unter ihnen befindet sich auch der berühmt berüchtigte Verbrecher Rinaldo Rinaldini, der ein Attentat auf Josef II plant. Wird dieses gelingen? Wer rettet wen? Und was hat das überhaupt mit den roastbeefischen Engländern" zu tun?
Fritz von Herzmanovsky-Orlando gelang mit Kaiser Joseph und die Bahnwärterstochter" ein großartiges Schauspiel, das man getrost als Mutter des Absurden Theaters bezeichnen kann und in seinen verblüffenden Wendungen das Besondere der Werke von Karl Valentin und Monty Python in Ansätzen vorwegnimmt. Mit einer pointierten Sprache, die durchaus mit der eines Johann Nestroy und Karl Kraus vergleichbar ist, zeichnet er zahlreiche kräftige Typen des alten Österreich nach.
Der Kabarettist und Wissenschaftsjournalist Martin Haidinger und der Schauspieler Robert Kolar schlüpfen gekonnt in ebendiese Figuren. Sie lassen die glorifizierte Welt Altösterreichs auferstehen, um sie alsbald in schalkhafter Manier der Lächerlichkeit preiszugeben.